Präsentation Projekt 3 – 2020-11-09

Das Projekt befasst sich mit der Frage, wie mit dem Konzept der Resilienz sozio-historische Prozesse analysiert werden können, wobei der Fokus offenkundig nicht auf der Entwicklung einer allgemeinen Prozesstheorie liegt (und liegen kann), sondern drei Spezifizierungsschritte vorgenommen werden:

Erstens geht es um einen spezifischen Typus von sozio-historischen Prozessen: nichtlineare sozio-historische Prozesse. Also Prozesse, die durch vielfache Komplexitätsannahmen charakterisiert sind, die sich u.a. in der Nichtproportionalität von Ursache und Wirkung, in Konstellationen loser Kopplung, in der (rekursiven) Verknüpfung von Inkrementalität und Disruptivität, in Mehrebenendynamiken sowie in einem hohen Maß an Kontingenz (und damit sehr bedingter Steuer- bzw. Kontrollierbarkeit) widerspiegeln.

Zweitens werden konkreter solche nichtlinearen sozio-historischen Prozesse untersucht, die sich durch eine dialektische Konstellation von Phänomenen der Kontinuität und Diskontinuität auszeichnen. Es geht dabei also um Prozesse, in denen Kontinuität nicht trotz, sondern durch Diskontinuität vorliegt – und vice versa.

Drittens analysiert das Projekt diese Prozesse vor dem Hintergrund der Vorstellung „dynamischer Stabilität“ bzw. „stabiler Dynamik“ und schließt dabei ebenso an soziologische Arbeiten etwa von Walter L. Bühl wie auch an Überlegungen der sozialökologischen Resilienzforschung an.

Damit versteht das Projekt Resilienz als analytische Prozessperspektive und nicht etwa nur als eine empirische Konstellation des (mehr oder weniger) produktiven Umgangs mit Herausforderungen, wie sie nicht zuletzt im öffentlichen Diskurs aktuell dominant ist.

Für die Arbeit des Projekts sind drei miteinander verknüpfte analytische Achsen zentral: Konstruktionalität thematisiert die Notwendigkeit einer sozialkonstruktiven Grundlegung der Analyse von Resilienzprozessen; Prozessualität beschreibt den bereits angesprochenen Fokus auf nichtlineare Prozesse zwischen Kontinuität und Diskontinuität; und Relationalität adressiert in mehrebenenanalytischer Perspektive sowohl die Frage der Skalierung von Analyseebenen wie auch die ihrer Relationierung.

Vor diesem Hintergrund sind es – neben dem Resilienzdiskurs sozialökologischer Provenienz– insbesondere der prozess- und figurationstheoretische Ansatz von Norbert Elias wie auch seine empirisch-materialen Arbeiten sozio-historischen Zuschnitts, die dem Projekt als analytische Ausgangspunkte dienen.

In der bisherigen Arbeit des Projekts standen u.a. Teilfragen etwa nach dem Zusammenhang von Notwendigkeit und Kontingenz wie auch von Handlung Struktur, nach der Rolle von Tipping points und Schwellenwerten, nach der Bedeutung des Komplexitätsdiskurses sowie nach der systematischen Verknüpfung von Empowerment- und Responsibilisierungsdynamiken im Mittelpunkt. Der Schwerpunkt der aktuellen Beschäftigung liegt auf der Identifizierung und Diskussion der analytischen Potenziale und Grenzen von Modellierungansätzen der Übergänge zwischen inkrementellen und disruptiven Prozessphasen u.a. im Pfadabhängigkeitsdiskurs sowie in der Katastrophensoziologie.

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